Da ich kroatischer Muttersprachler bin, liegt der Schwerpunkt meiner Tätigkeit bei Übersetzungen aus der kroatischen in die deutsche Sprache und umgekehrt.
Das Serbische und noch mehr das Bosnische weisen nur geringe Unterschiede zum Kroatischen auf, vergleichbar etwa dem Unterschied zwischen dem in Deutschland und in Österreich gesprochenen Deutsch.
Ein wichtiger Punkt ist die unterschiedliche Verwendung von Satzkonstruktionen mit Hilfsverb und Verb, wie zum Beispiel im Satz „Ich muss gehen”. Im Kroatischen wird dieser Satz analog zum Deutschen mit der entsprechenden Form des Hilfsverbs und dem Infinitiv des Verbs ausgedrückt: „Trebam ići”. Im Serbischen wird der Satz ähnlich formuliert, wie eine deutsche Infinitvkonstruktion mit zu „Trebam da idem” also etwa als würde man sagen „Ich habe zu gehen”.
Ein Unterschied der nicht nur die genannten Sprachen, sondern auch Dialekte innerhalb dieser Sprachen betrifft, ist lautlicher Natur und betrifft die Aussprache des Lautes „jat”. Auf Kroatisch lautet etwa das Wort für „weiß” hochsprachlich in der sog. ijekavischen Sprachvariante „bijel” auf Serbisch in der entsprechend benannten ekavischen Sprachvariante „bel” - so bedeutet „Belgrad” so viel wie „die weiße Stadt”; der kroatische Städteiname „Bijelovar” hat die selbe Bedeutung (wobei die Endung „var” in diesem Fall aus dem Ungarischen entlehnt ist). Dies ist aber - deshalb war die Rede von einer Sprachvariante - nicht kennzeichnend für den Unterschied zwischen den Sprachen: Viele Serben, z.B. in Montenegro und in Bosnien, verwenden ebenfalls die ijekavische Sprachvariante, daneben wird in Teilen Kroatiens, nämlich vor allem in Dalmatien, noch eine weitere Variante, das Ikavische, verwendet. Und auch dort - Sie ahnen es - gibt es eine „weiße Stadt”: „Biograd”.
Unterschiede im Wortschatz zwischen den drei beteiligten Sprachen und im Falle Kroatiens auch zwischen verschiedenen Regionen haben sich zum einen aus der Nachhaltigkeit der Zugehörigkeit zu einer der historischen regionalen Großmächte ergeben. Im nordkroatischen Raum sind daher aufgrund des östereichisch-ungarischen Einflusses deutsche Lehnworte häufig - z.B. der „štreber”. Manchmal findet man aber gerade hier auch eine Tendenz zur Abgrenzung gegen das deutsche, so dass ein deutsches Lehnwort zwar in Bosnien und Serbien, in Kroatien aber gerade nicht benutzt wird. In Istrien und Dalmatien hat die jahrhundertewährende venezianische Vorherrschaft in den Städten, bzw. die relative Autonomie von ursprünglich lateinischsprachigen Städten ihre Spuren hinterlassen, etwa im Begriff „barka” für Boot. Bosnien hat mehrere Jahrhunderte unter osmanischer Herrschaft gelebt, zahlreiche türkische Lehnworte (Turzismen) finden sich aber auch im Serbischen und Kroatischen. Die „džezva” das typische Kochgeschirr zur Zubereitung von türkischem Kaffee, hat im gesamten Raum sowohl als Gegenstand wie als Wort Verbreitung gefunden.
Daneben gibt es auch Unterschiede in der genauen Ausformung oder im Bedeutungsspektrum zahlreicher Worte slawischen Ursprungs, die teilweise geringfügig sind, aber wesentlich zur Unterscheidung der Sprachen beitragen. So heißt „persönlich” auf Kroatisch „osobno” (von „osoba” - „Person”) auf Serbisch „lično” (von „lik” - serbisch „Person, Gesicht, Gestalt, (Film)Figur” kroatisch ebenso, bis auf „Person”).
Der auffälligste Unterschied liegt in der im Serbischen vorwiegend verwendeten kyrillischen Schrift, teilweise mit Folgen auch für die Verwendung der lateinischen Schrift: da in Serbien kyrillische und lateinische Schrift parallel verwendet werden und fremdsprachige Namen demzufolge entsprechend ihrer Aussprache ins kyrillische transliteriert werden müssen, wird das Ergebnis der Transliteration auch in der jeweiligen lateinischen Variante verwendet: aus „München” wird kyrillisch „минхен” und wieder lateinisch „Minhen” In Kroatien dagegen werden entgegen dem für die eigene Sprache inklusive der Namen geltenden Prinzip „man schreibt, wie man spricht” fremdsprachige Eigennamen aus Ländern mit lateinischer Schrift unverändert gelassen.
Die vorhandenen Unterschiede wurden in der Zeit seit dem Krieg durch Regelungen zur „Erhaltung der Sprachreinheit” verstärkt. In Kroatien hat man in amtlichen Texten kroatische Begriffe wieder eingeführt, wenn serbische verwendet worden waren, ältere Begriffe kroatischen Ursprungs zugunsten von Fremdwörtern favorisiert und teilweise in Ermangelung älterer Vorbilder auch solche erfunden (von Satirikern und Feulltonisten gern zitiert: der „zrakomlat” - etwa „Luftschläger” - für Helikopter). In Serbien wird seit dem Zerfall Jugoslawiens die kyrillische Schrift als Amtsschrift verwendet, obwohl viele Zeitungen (auch) in lateinischer Schrift erscheinen usw.
Eine ausführlichere Diskussion der Unterschiede findet sich in folgenden beiden Artikeln aus der Wikipedia:
Die Sprachbezeichnung „Serbokroatisch” drückt die Auffassung aus, dass es sich bei Kroatisch, Bosnisch und Serbisch eigentlich um eine Sprache unterschiedlicher Ausprägung handelt. Wie auch immer man die Unterschiede sprachwissenschaftlich beurteilt: als Amtssprachen sind in Kroatien und Serbien nurmehr Kroatisch bzw. Serbisch zugelassen, in Bosnien Kroatisch, Serbisch und Bosnisch. Der Begriff „Serbokroatisch” wird nicht mehr verwendet.
Sämtliche von mir angebotenen Sprachkombinationen, unter Angabe der international üblichen Sprachkürzel, sind:
| Kroatisch - Deutsch | HR-DE |
| Deutsch - Kroatisch | DE-HR |
| Serbisch - Deutsch | SR-DE |
| Deutsch - Serbisch | DE-SR |
| Bosnisch - Deutsch | BS-DE |
| Deutsch - Bosnisch | DE-BS |